Eine Format-Premiere und eine Wiederaufnahme brachten das Publikum am Festival-Donnerstag zum Lachen, Weinen und mitfiebern.

Ruhe in Frieden, Piepsi 7 – die Pendeluhr was unabsichtlich
Zuerst trafen sich bei Artig und „Aus dem Nähkästchen“ die drei alten Damen Luisa, Hansi und Marie im Salon und verzauberten uns mit erzählten und gespielten Geschichten aus ihrem Leben. Eine einzigartig und liebevoll inszenierte Format-Premiere, die so überzeugend lief, dass man fast die Improvisation bezweifeln könnte – wären da nicht die ständigen Inputs des Publikums. So erzählte die graue Löwin Hansi, wie sie im Wien der 30-er am Bahnhof ankam und dort die Wienerin Luisa kennenlernte.

Luisa hatte es übrigens faustdick hinter den Ohren: Nachdem sie einem Macho-Ornithologen den Laufpass gegeben hatte und einige Jahre später unbeabsichtigt den Hansis Kanarienvogel Piepsi mit der Pendeluhr erschlagen hatte, arbeitete sie im Geheimen wohl auch als Agentin für das FBI und erhielt Missionen in blauen Briefen.

Marie stieß später ins Leben des vormaligen Zweiergespanns durch eine zufällige Begegnung im Hallenbad, bei der Hansi und Marie sich noch so gar nicht ausstehen konnten und gleich mal Längen um die Wette geschwommen sind.

Schlussendlich entschied das Publikum Luise solle sich endlich mal selbst aufregen, was zu dem Grande Finale des Entschuldigungs-Songs der drei Damen für vergangene und zukünftige unabsichtliche und absichtliche Vergehen aneinander führte.

Gundula mit der zauberhaften Harfe
Auch in der zweiten Hälfte blieb kein Auge trocken. 12 vor Fuchs spielte einen Kampf von Gott und Teufel um eine menschliche Seele aus, nämlich den von Gundula, der Minnesängerin. Minnegesang als klassisch männlich dominiertes Metier war kein einfaches Pflaster für die unglaublich talentierte Gundula, deren größter Traum es war endlich groß aufzutreten – zum Beispiel beim kommenden Königsfest. Allerdings hatte sie nicht damit gerechnet, dass der König kein Freund des weiblichen Minnegesangs war und sogar andere Künstler durch Halsabschneider aus dem Wald verschwinden ließ. Warum? Um selbst, dem sogenannten „Jokus“ oder auf Deutsch Witz zu getan, als verkleideter „Steh-auf-Komödiant“ sein Debut auf dem Fest hinzulegen.

Gott sei dank gab es da den Harfenbauer, der Gundula ihre erste portable Harfe verkaufte. Sie konnte die Halsabschneider mit ihrem Gesang bezirzen und verhielt von diesen magisch begabten Gestalten ein aus Holz geschnitztes Plektron mit einem Wunsch frei für spätere Verwendung.

Wir lernten allerdings auch ihre dunklen Seiten kennen, als Gundula sich entschied für die Teilnahmegebühr am Königs-Fest als Minnesängerin ihr gesamtes Hab und Gut und noch dazu ihre Großmutter zu verkaufen – ein Fehler über den sich das Teufelchen so richtig freuen konnte.

Zum Schluss kam dann die fulminate Schluss-Runde und die Entscheidung, ob nun Gott oder Teufel ihren Wetteinsatz erfüllen mussten. Des Königs Witze waren wie erwartet unter aller Erwartung und so kam seine Karriere als „Steh-Auf-Komödiant“ zum abrupten Stillstand, als gleichzeitig Gundula mit ihrer Harfe die ganze Stadt in Bann hielt. Während sie sang, wurde ihr jedoch klar, dass dieser ganze Trubel nichts wert war ohne ihre gute Freundin die Großmutter, die sie sich mit dem magischen Plektron zurückwünschte. Ende gut, alles gut. Und der Teufel musste drei Tage alle Sternchen am Firmament Abends anzünden – eine Aufgabe, die Gott sicher gern von seiner täglichen To Do Liste streicht.

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