Das Wiener Impro Festival feiert seit drei Jahren die Vielfalt improvisierten Theaters und hat wieder am Festival-Samstag gezeigt, wie fulminant unterhaltsam und unterschiedliche Spielformate es gibt.

Zuerst stiegen wir in „Abgefahren! Ein Bundesbahnblues“ mit Improvista Social Club und zauberhaft spannenden Charakteren in den Zug ein. Die arbeitslose Tierärztin mit Kinderwunsch, bösem Bruder Carlos und der Vorliebe für Romane mit erotischen Elementen findet hoffentlich mit dem Segen ihrer Mutter ihre Liebe im Urlaub, während die 90-jährige ehemalige Schauspielerin wohl noch immer zu laut und leidenschaftlich deutschen Rap hört. Ihre hochbegabte Enkelin hat im Tausendsassa Zugbegleiter, Sushi-Koch und Zuckerwattenstandler dank ihrer Rechenkünste einen neuen Freund gefunden. Kann er ihr die Albträume nehmen, die sie hin und wieder plagen? So schlängelte sich der Zug durch traumhafte Landschaften, bis er schlussendlich seine Endstation erreicht und die zufällige Zusammenkunft unterhaltsamer Begegnungen sich auflöst. So schließt sich der Kreis und das leere Abteil steht bereit, damit sich die nächsten zufälligen Lebenswege kreuzen können.

In der zweiten Hälfte spielte Quintessenz mit „Das Klo“ auf. Jenny konnte den armen Mann mit Herz-Schmerz am Disco-Klo zumindest ein bisschen beruhigen, vielleicht sogar so viel, dass er sie noch nach ihrer Nummer fragen konnte. In Hollywood wird demnächst ein neues Sternchen aufgehen, nachdem die kesse und motivierte aufstrebende Schauspielerin ihr Idol zufälligerweise am Klo kennenlernen konnte, während mehrere Kilometer unter ihren Füßen fünf verzweifelte und wiffe Finanzamt-Höllen-Seelen ihre Wächter austricksen und sich in die Freiheit spülen. Der Frühlings-Tag des Pärchens im viel zu kleinen Holzhäuschen wurde mit den besten Vorsätzen aber im schlechtesten Zeitpunkt überraschend von ihren drei Kindern unterbrochen, die sich peinlich berührt wieder im Klo versteckten um die nackte Zweisamkeit nicht weiter zu stören, während Dr. Fernandez sich wohl so richtig etwas anhören kann, wenn seine Frau aufgestachelt vom Vollblut-Installateur mit Erfahrung in Sanitär-Anlagen-Affairen nach Hause kommt. Hoffentlich wird die Wohnung danach nicht zum Tatort, aber wenn, ist das Trio-Inspektionale sicher wieder zur Stelle um den Fall zu lösen!

In der Late-Night zappten sich die zwei Gruppen durch das verpasste Fernsehprogramm des Abends. Von Warteschlangen, Tier- und Kochsendungen bis hin zur Seifenoper und der Großgruppen-Aerobic-Klasse – so gut war Fernsehen schon lang nicht mehr!

Kommt heute vorbei zum Abschluss-Abend des Festivals, mit den Shows der Sollbruchstelle AG und den English Lovers. Außerdem werden wir heute das heiß ersehnte Goldene Gru verleihen, an die Show mit den meisten Publikumsstimmen. Wer erhält das erste Mal jemals diese Auszeichnung? Seid live dabei!

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