Was für ein Jahr für Impro. Im April 2016 ging das zweite Impro Festival über die Bühne und von 15. bis 20. September 2016 findet das internationale Moment! Festival im Theater an der Gumpendorferstraße statt.

Wir sind schon in den emsigen Vorbereitungen für das Wiener Impro Festival 2017, wollen es aber nicht vernachlässigen, einen wunderschönen Rückblick auf dieses Jahr zu riskieren. Hier kommen alle geschrieben Zusammenfassungen und ein paar Bilderimpressionen.

 

Tag 1 – Eröffnungs-Doppel
Von einer gefährdeten Eiche zu Hasibärli „Die Augenbraue“ Wallner

Zuerst spielten wir mit dem Publikum eine Runde Bingo: Wenn ein/e SpielerIn eine Herausforderung auf der Bühne erfüllt, durfte das Publikum diese wegstreichen und wer alle durchgestrichen hat – BINGO! Manchmal ging es schnell, zum Beispiel als das gesamte Publikum plötzlich zu Verwandten und Begleitpersonen einer Dame bei ihrem ersten Date mit einem dann durchaus unsicherenHerren wurde. Manchmal brauchte es zwei oder mehr Anläufe, zum Beispiel um umgebracht zu werden als bedrohter Eichenbaum. Oder um jemanden des Ensembles zum Lachen zu bringen. Auch da ginge der erste akrobatische Versuch nicht auf, bei dem ein Trio Mafiosi von der Polizei umzingelt war und der eine Handlanger den anderen mutig durch die Luft schleuderte.

Die Preise waren dem Publikum aber unweigerlich gewiss. Der erste Platz wurde mit einem Workshop-Gutschein für die GewinnerInnen und ihre Freunde belohnt, der zweite mit Gutscheinen für eine TAG Karte und der dritte mit einem Cupcake Gutschein einzulösen bei der Brass Monkey Bakery.

In der zweiten Show des Eröffnungs-Doppels ging es dann um die Panier. Von einem Missverständnis in Oxford reisten wir zu einer wunderschönen Blume im indischen Dickicht, die zwei Expediteuere gerade nicht vor der klebrigen Zunge eines einheimischen Breitmaulfrosches retten konnten. Was da nur noch hilft ist ein Termin bei dem durchaus speziellen Dr. Bernhard mit der Praxis gegenüber eine Logopädie-Einrichtung im 2. Stock. Schlussendlich geht es doch nur um die innere und äußere Schönheit, egal ob Monobraue oder Slibowitz-Aufguss – und manchmal braucht es dazu einfach Zeit, wie Hasibärli „Die Augenbraue“ Wallner und ihr Mann gemeinsam herausfinden durften.

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Tag 2 – „Aus dem Nähkästchen“ & „Himmel und Hölle“
Der Piepsi Nummer 7 unter der Pendeluhr träum vom Minnegesang

Eine Format-Premiere und eine Wiederaufnahme brachten das Publikum am Festival-Donnerstag zum Lachen, Weinen und mitfiebern.

Ruhe in Frieden, Piepsi 7 – die Pendeluhr was unabsichtlich
Zuerst trafen sich bei Artig und „Aus dem Nähkästchen“ die drei alten Damen Luisa, Hansi und Marie im Salon und verzauberten uns mit erzählten und gespielten Geschichten aus ihrem Leben. Eine einzigartig und liebevoll inszenierte Format-Premiere, die so überzeugend lief, dass man fast die Improvisation bezweifeln könnte – wären da nicht die ständigen Inputs des Publikums. So erzählte die graue Löwin Hansi, wie sie im Wien der 30-er am Bahnhof ankam und dort die Wienerin Luisa kennenlernte.

Luisa hatte es übrigens faustdick hinter den Ohren: Nachdem sie einem Macho-Ornithologen den Laufpass gegeben hatte und einige Jahre später unbeabsichtigt den Hansis Kanarienvogel Piepsi mit der Pendeluhr erschlagen hatte, arbeitete sie im Geheimen wohl auch als Agentin für das FBI und erhielt Missionen in blauen Briefen.

Marie stieß später ins Leben des vormaligen Zweiergespanns durch eine zufällige Begegnung im Hallenbad, bei der Hansi und Marie sich noch so gar nicht ausstehen konnten und gleich mal Längen um die Wette geschwommen sind.

Schlussendlich entschied das Publikum Luise solle sich endlich mal selbst aufregen, was zu dem Grande Finale des Entschuldigungs-Songs der drei Damen für vergangene und zukünftige unabsichtliche und absichtliche Vergehen aneinander führte.

Gundula mit der zauberhaften Harfe
Auch in der zweiten Hälfte blieb kein Auge trocken. 12 vor Fuchs spielte einen Kampf von Gott und Teufel um eine menschliche Seele aus, nämlich den von Gundula, der Minnesängerin. Minnegesang als klassisch männlich dominiertes Metier war kein einfaches Pflaster für die unglaublich talentierte Gundula, deren größter Traum es war endlich groß aufzutreten – zum Beispiel beim kommenden Königsfest. Allerdings hatte sie nicht damit gerechnet, dass der König kein Freund des weiblichen Minnegesangs war und sogar andere Künstler durch Halsabschneider aus dem Wald verschwinden ließ. Warum? Um selbst, dem sogenannten „Jokus“ oder auf Deutsch Witz zu getan, als verkleideter „Steh-auf-Komödiant“ sein Debut auf dem Fest hinzulegen.

Gott sei dank gab es da den Harfenbauer, der Gundula ihre erste portable Harfe verkaufte. Sie konnte die Halsabschneider mit ihrem Gesang bezirzen und verhielt von diesen magisch begabten Gestalten ein aus Holz geschnitztes Plektron mit einem Wunsch frei für spätere Verwendung.

Wir lernten allerdings auch ihre dunklen Seiten kennen, als Gundula sich entschied für die Teilnahmegebühr am Königs-Fest als Minnesängerin ihr gesamtes Hab und Gut und noch dazu ihre Großmutter zu verkaufen – ein Fehler über den sich das Teufelchen so richtig freuen konnte.

Zum Schluss kam dann die fulminate Schluss-Runde und die Entscheidung, ob nun Gott oder Teufel ihren Wetteinsatz erfüllen mussten. Des Königs Witze waren wie erwartet unter aller Erwartung und so kam seine Karriere als „Steh-Auf-Komödiant“ zum abrupten Stillstand, als gleichzeitig Gundula mit ihrer Harfe die ganze Stadt in Bann hielt. Während sie sang, wurde ihr jedoch klar, dass dieser ganze Trubel nichts wert war ohne ihre gute Freundin die Großmutter, die sie sich mit dem magischen Plektron zurückwünschte. Ende gut, alles gut. Und der Teufel musste drei Tage alle Sternchen am Firmament Abends anzünden – eine Aufgabe, die Gott sicher gern von seiner täglichen To Do Liste streicht.

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Tag 3 – „Heimat bist du großer Dramen“ & „1440/50“
Lachen berührt Aggressive – Vermutlich auch das Diebes-Ass Ferdl

Am dritten Tage erschuf das Wiener Impro Festival 2016 wieder Premieren und Dernieren zugleich. Zuerst mit der Wiederaufnahme des Formats „Heimat bist du großer Dramen“, allerdings mit 5 einzigartigen Gästen im Ensemble. Danach spielte Quintessenz sich mit der Tageszeit in „1440/50“.

Lachtherapie für Aggressive
Der Improvista Social Club und ihre fünf Gäste entführten uns in ein typisches Wiener Kaffeehaus: aggressiv melancholischer Lehrer trifft zwider charmante Kollegin und schwelgt mit ihr in Erinnerung an entscheidende Momente ihres Lebens. Ob internationale Kommunikation mit drei Franzosen oder ein enttäuschter Straßenkehrer, letztendlich ist doch alles nichts gegen das Lachen, dass sogar das aggressivste Herz berührt: Die Erinnerung an eine immer-frohe Mutter einer Schülerin, wurde dann im Stile von Jelinek, Grillparzer und Netroy zu echtem österreichischen Theater gewandelt. Schließlich ist rot nicht nur die Farbe des Korrigierstifts, sondern vor allem die Farbe der Liebe.

Misslungenes Zeitstehlen in der Liebesnacht der Polar- und Pool-Lichter
Der gschupfte Ferdl hielt in erstklassig Gschupfter Manier die Polizei als Uhren- und Raritätendieb im Raum Hallstadt auf Trab, der erst bei seinem letzten Coup, dem Diebstahl des Uhrturms endlich gestellt werden konnte. Ein wohl betuchte Familie musste währenddessen im wunderschönen Poolhaus akzeptieren lernen, dass wohl nicht nur die Eltern noch verliebt waren, sondern auch ihr Sohn die erste und einzige Freundin hatt bzw. der Hausmeister auch gern mal mit dem Besitz seiner Dienstgeber auf Dates angab. Außerdem holte sich ein mächtiger Baron aus früher Zeit einen totsicheren Geheimtipp gegen Schlafbeschwerden: Den Zauberfrosch im Weir von Sir Lancelot und die Polarexpedition zweier Jungastrologen zu den Nordlichtern spendete der Welt mit einem einzigartigen Ritual eine Nacht des Verliebens.

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Tag 4 – „Scheinwerfer“ & „Wenn ich einmal…“
Aaron fördert Lohngleichheit und Bundespräsidentin Posbischiel mit Radio-Lottogewinn

Das Aprilwetter verlief die letzten Tage genauso passend und abwechslungsreich wie das Wiener Impro Festival. Am vierten Tag erschufen die Darstellenden von Sollbruchstelle AG in der ersten Hälfte eine Premiere über das liebe Geld, während Zieher & Leeb in der zweiten Hälfte Wünsche wahr werden ließen.

Vom Leidensweg der Förderfindung nach Aaron
Aaron ging es per se nicht unbedingt schlecht in seinem schönen modern eingerichteten Loft. Allerdings hatte der gut betuchte Performance Künstler, der sogar mit Wollkunst liebäugelte, große Probleme das Geld für seine Projekte aufzutreiben. Seine Eltern glaubten nicht an ihn und seine demente Haushaltshilfte brachte das Fass wohl zum überlaufen, nachdem sie sich nicht an die einfache Bestellung eines Caffé Latte Macchiato mit Soya-Milch erinnern konnte. Allerdings Aaron auch nicht mehr wirklich.

Abwechslungsreich aufgepeppt durch Philosophie in der Dunkelheit, ob wir wirklich wissen warum wir Geld ausgeben und wofür bzw. wann es Kindern eigentlich selbst gehört und nicht mehr mit Wünschen und Träumen der Eltern behaftet ist, fand Aaron schlussendlich sein Glück in der Radio Lotterie und konnte sich mit seinem Vater versöhnen – im wörtlichsten Sinne des Wortes.

BundespräsidentIN Postbischiel und die östliche Genderfreiheit
Zieher & Leeb rockten die Bühne mit ihren Wunschformat und drei progressiven Geschichten aus dem Alltag. Hertha Postbischiel wurde die erste österreichische BundespräsidentIN, zum Leidwesen ihrer jugendlichen Tochter, die ab dann das Foto ihrer Mama in allen Schulklassen österreichs ertragen musste – eine neue Größenordnung von „Mama du bist so peinlich“. Zur gleichen Zeit lernten sich die freundliche Petra und eine noch Fremde am Friedhof und an den Gräbern ihrer verstorbenen Ehemänner kennen um eine wundervolle Freundschaft zu beginnen. Weit entfernt erwachte in Shila der Mann im Bollywood-klassischen Genre. Sie machte sich auf um Mann zu werden und ihre wahre Liebe zu finden.

Es dauerte nicht lange, da meldete sich die Hertha Postpischiel schon von Auslandsreisen, zum Beispiel aus Burma um über für Lohngleichheit für Burma und Mädls zu advokieren, was sie schlussendlich auch schafte durch ein Job-Sharing in der zweiten Amtsperiode mit Wirtschaftskammerpräsidenten Christoph „Grinsekatze“ Leitl. Shila lernte in London endlich mit dem schwulen Grenzkontrolleur die wahre Liebe kennen und entschied sich schlussendlich ihr Geschlecht zu ändern, weil eh zählt was drinnen ist und nicht draußen.

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Tag 5 – „Blockbuster“ & „Radio Luv“
Agent 47 setzte COSMOS und dem Geheimdienst Hörner auf

So schnell war dann auch schon wieder der letzte Abend des Wiener Impro Festivals da. Mit einem Feuerwerk an Geschichten und Kreativität von den English Lovers und dem Festival Ensemble schlossen wir gestern unsere Türen für dieses Jahr.

Codename Apple – oder sollte man sagen „Bad Apple“?
In der ersten Hälfte improvisierten die English Lovers einen Spielfilm, mit allem was dazugehört. Zur Auswahl standen ein Science Fiction Film, eine Romantic Comedy und ein Spy Action Movie, für das sich das Publikum mit Abstand entschied. Der Titel des Films war Codename Apple, die Geschichte von Agent 47. Ihre Mission: Die Drahtzieher hinter der dubiosen und tief bösen Organisation COSMOS zu finden.

Mit drei einzigartigen Spezialwaffen, nämlich den langsamsten Laser der Welt, einen Enterhaken Kugelschreiber und einem Buch, aus dem man Dinge vorlesen und so sofort real werden lassen kann, macht sich Agent 47 auf den Weg. Mit einzigartigem Tango Talent konnte sie jede/n WidersacherIn um die Ecke auf ihre Seite ziehen, während bei COSMOS der bösartigste Lacher im Forschungslabor entwickelt wurde. Natürlich rechtzeitig konnte Agent 47 mit der zwischenzeitlichen Hilfe von Agent 97 in die zentrale von COSMOS eindringen und den Kopf der Bande noch vor der Übernahme der Weltherrschaft übernehmen, worauf allerdings einfach ein Handlanger die Macht übernahm. Vorhersehen konnte allerdings niemand, dass Agent 47 letzten Endes auf die Seite des Bösen wechselte und selbst den Knopf für COSMOS Weltherrschaft drückte.

Dr Love rät zu Hörnerpflicht
In der zweiten Show drehte sich alles um eine Radio-Sendung, mit jeder Menge Musik und Zuschaltungen. Moderiert vom Captain und Shaka startete Radio Luv gestern mit einem Lied über „Die Rose“, eine zauberhafte Ballade mit Hintergrundchor. Wer jetzt Lust auf Süßes hat, sollte sich wohl eine Schokolade aus dem Hause Chocolate bestellen, einem der Sponsoren der Radio Show. Ein durchaus überraschendes Hörspiel wartet beim nächsten Mal auf die Fortsetzung, nachdem dieses Mal die Asche des Vaters unter Beisein aller Verwandten (Guter und Böser) in Ägypten bei den Pyramiden verstreut und dann von Krokodilen inhaliert wurde. Der Liebes-Song aus dem Musical „Zahnarzt“ erzählte von der Liebe zum Schmerz des Patienten, während trotz Radio Show im Hintergrund die gesamte Crew des Musicals zu akrobatischen Höchstleistungen aufliefen.

Zu guter Letzt empfehlen wir einen Anruf bei Dr. Love auf Radio Luv, die Frau mit dem Durchblick für alles was Liebe ist – auch ihre eigenen vergangen Lieben, die noch immer und immer wieder bei Radio Luv anrufen. Oder auch das Geheimnis verrät, dass sich eigentlich alle Frauen Hörner auf ihren Männern wünschen, nicht nur die Freundin des Verzweifelten Spaniers, der bei ihr Rat gesucht hat.

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